Bitte mit Leine

Es gibt so Anblicke, die mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Menschen (insbesondere) Kinder am Abgrund, zum Beispiel beim turnen an einem offenem Fenster und auch spielende Kinder an einer Straße. Und eben auch Hunde ohne Leine mitten im Gewühl der Großstadt.

Wobei mich auch schaudern lässt, wenn ein Hund nicht angeleint auf einer Wiese oder im Wald auf mich zuläuft. Am Horizont ein brüllendes, schreiendes, kreischendes Männchen oder Weibchen. Immerhin so laut, dass ich zumindest weiß, das da ein Bruno, Max, Waldi oder Lola, Ronja auf mich zustürmt.

Immerhin, meist will der anstürmende Wirbelwind gar nichts von mir, sondern von meinem Hund, der brav an der Leine gehen muss, da wir ja im Wald sind und er mir ansonsten zu viele Eichhörnchen hinterher jagt. Und diese sind für meinen Hund eine zu große Versuchung. Also bleibt er besser dran, ich muss nicht brüllen und wenn wir hinten an der Wiese sind, wo wir miteinander spielen können oder im Sommer am kleinen See, da darf er auch von der Leine und schnüffeln wie er möchte.

Im Wald nicht. Auch nicht im Winter, wenn die Eichhörnchen schlafen.

Ist der andere Hund dann bei uns, dann geht das Geschnüffel los. Nicht immer friedlich. Denn es gibt durchaus auch unangeleinte Hunde, die eigentlich nur auf Krawall aus sind. Ich lenke meinen Hund dann meist ab und versuche schleunigst davon zu kommen. Klappt leider nicht immer. Manchmal kommt dann auch der dazugehörige Zweiner dann auch zur Situation.

Und eigentlich müsste das ganze dann so ablaufen:
Entschuldigungen murmelnd wird der Hund an die Leine genommen und nachgefragt, ob bei mir und meinen Hund alles ok ist.

Und wie läuft es in Wirklichkeit ab?
Es wird erwartet, dass ich mich entschuldige, denn ich bin die Böse, schließlich habe ich meinen Hund an der Leine.

Besonders gut kommt die Diskussion unter einem Schild, auf dem drauf steht, dass man in diesem Wald die Hunde eben an der Leine zu führen hat. Zaghafter Verweis von mir auf das Schild wird mindestens ignoriert. Meistens ist nun der Moment gekommen, wo ich mir noch anhören muss, dass ich keine Ahnung von Hunden hätte.

Bitte liebe Menschen. Ich verstehe ja sogar, dass ihr Eure Hunde lieber frei laufen lasst. Mir tut auch manchmal die Schulter weh, wenn mein Hund zu sehr gezogen hat, weil die Nachbarshündin läufig ist und wir ohne ziehen einfach nicht am Grundstück vorbei kommen. Klar wäre Leine ab da bequemer für mich. Aber das kann es doch nicht sein, dass wir aus Bequemlichkeit anderen Menschen und deren Hunden auf den Geist gehen.

Oder auch am schlechten Ruf arbeiten. Denn meist sind diese Leinenlose Hunde auch in Parks unterwegs, wo sich Herrchen und Frauchen just in dem Moment wegdrehen, wenn ihr Hund das große Geschäft mitten auf der Liegewiese erledigen…. Nicht gesehen, also auch nicht weggemacht. Und dann wundern, wenn es Nicht-Hundehalter gibt, die auf Hunde allergisch reagieren.

Wunderbare Hundewelt …

Die Zeiten, in denen ich geglaubt habe, Hundehalter wären per se bessere Menschen, die sind laaaaaaange vorbei. Zum einen weiß ich inzwischen, dass es sehr viele Menschen gibt, die Hunde nur als Statussymbol halten (wollen) und völlig überrascht davon sind, wieviel Arbeit ein solcher macht und zum anderen ist es schon interessant, wieviele Menschen denken sie hätten Ahnung von Hunden, nur weil sie gerne Hundeflüsterer gucken (der übrigens bei Tierschützern gar nicht so unumstritten ist, aber ich gucke ihn auch gerne).

Also bitte: Hund mit Halsband ist ja schon ein Anfang. Aber bitte auch immer eine Hundeleine mit dabei haben. Oder wenigstens nicht demjenigen die Schuld geben, der seinen Hund angeleint hat. Mir täte das schon reichen, wenn ich nicht die Böse sein soll. Nur weil ich eine Hundeleine in der Hand halte, an deren Ende tatsächlich ein Hund zu finden ist 🙂